Erfurt (NMH) – Auch unter den Hörgeschädigten gibt es viele Buddhisten, denn auch Gehörlose und Schwerhörige glauben an den Buddhismus!

Asien, das klingt für viele immer noch nach einem mystisch exotischen Urlaubsparadies. Wer denkt bei Asien nicht direkt an die Pagoden und Tempel, die Asketen und Mönche und die unterschiedlichen Religionen, die hier entstanden sind. Nicht nur Buddhismus und Hinduismus, Schinto und Caodaismus, sondern auch Christentum, Judentum und Islam haben ihren Ursprung auf diesem Kontinent. Je östlicher wir uns aber bewegen, desto mystischer und geheimnisvoller werden die spirituellen Bewegungen. Dies hat schon immer Reisende angezogen. Schon im 19. Jahrhundert begann ein regelrechter Boom von spirituellen Reisen nach China, Indien und Japan. Mindestens seit der „Flower-Power-Zeit“ ist auch Südostasien bekannt geworden. Thailand gilt als beliebtes Reiseziel für Buddha-Fans und Retreat-Freunde. Vietnam dagegen ist bislang nur wenig für seinen Spiritismus bekannt. Das hat natürlich seinen Grund.

Der wichtigste ist der Vietnamkrieg selber, durch den ja die Flower-Power-Bewegung und die Hippie-Kultur der 1970er Jahre erst ihren Aufschwung nahm. Damals geriet Asien in den Fokus der westlichen Welt. Aber der Krieg, der aus dem Unabhängigkeitskrieg Vietnams heraus entstanden war, blockierte die indochinesische Halbinsel für mehr als dreißig Jahre. Und mit seinem Ende entstand ein politisches System, das keineswegs ein großes Interesse an der Religion zeigte. Schon während der 1950er und 1960er Jahre hatte es Verfolgungen von Buddhisten und Christen gegeben. Nach 1976 wurden die Klöster und Kirchen mundtot gemacht und mussten sich Hanoi unterordnen. Durch das amerikanische Embargo kam der Tourismus fast vollständig zum Erliegen. 1994 wurde es aufgehoben und die Beziehungen Vietnams zu dem ehemaligen Kriegsgegner USA sowie zur Welt im allgemeinen verbesserten sich. Seit dieser Zeit verzeichnet Vietnam ein stetiges Wachstum an Urlaubern sowie auch der Wirtschaft generell. Die heutige Regierung sieht die Religion eher als Privatsache an. Vietnam ist, aufgrund der sozialistischen Regierung, offiziell religionslos. Aber natürlich lassen sich Konfuzianismus und Buddhismus als traditionell starke Religionen nicht leugnen. Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat die Regierung den Klöstern und christlichen Kirchen mehr Rechte eingeräumt. Der boomende Tourismus hat jedoch bislang diesen Bereich der vietnamesischen Kultur noch nicht erreicht. Während viele Touristen nach Thailand und Indien, Japan und China reisen, um dort in Klöstern zu übernachten und spirituelle Kurse zu besuchen, ist dies in Vietnam noch gänzliches Neuland.

Klöster, Pagoden und Tempel gibt es in jeder Straße. Auch christliche Kirchen finden sich. Zudem existieren in Vietnam auch Sekten, die zahlreiche Anhänger besitzen. Die bekannteste ist die Cao Dai-Kirche, deren Hauptsitz in Tay Ninh – nahe Ho Chi Minh-Stadt, liegt. All dies bezeugt die Spiritualität im Land des aufsteigenden Drachen – ein tief verwurzelter Glaube, der weder von der französischen Kolonialregierung, vom Krieg, noch von der kommunistischen Partei beseitigt werden konnte. Bislang konzentrieren sich die Besucherströme auf den klassischen Reiserouten des Landes von Nord nach Süd oder umgekehrt. Wer Vietnam besucht, sucht in der Regel Kultur und Strand als Mischung. Backpacker waren sicher die ersten, die in den kleinen Touristenhochburgen in Hanoi und Ho Chi Minh-Stadt, nach Meditation und spiritueller Erfahrung suchten. Heute kommen vermehrt Urlauber nach Vietnam, finden jedoch keine besonderen Angebote vor. Es gibt keine klassischen Angebote für Menschen auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung in Vietnam. Im Grunde widerspräche es natürlich dem Sinn nach der Suche selbst, wenn Gruppenreisen in buddhistische Pagoden angeboten würden. Nichtsdestotrotz gibt es aber durchaus die Möglichkeit, in Vietnam auf der Suche nach Wahrheit und Erleuchtung zu gehen – sei es christliche Spiritualität oder buddhistisches Streben nach dem Nirwana, es findet sich durchaus etwas. Der Fokus dieses Textes liegt auf dem Buddhismus. Konfuzianismus und Caodaismus bieten nur untergeordnete Wege zur Erleuchtung: Religion findet hier im Privaten und bei Liturgien im Tempel oder der Cao-Dai-Kirche statt. Christen finden sicher nur wenig Erbauung. Die meisten kommen in missionarischer Tätigkeit nach Vietnam – etwas, das sicher in einen Urlaub in diesem Land kaum wirklich nachzuvollziehen ist. Buddhistische Retreats, Vorträge und Kurse dauern dagegen nur oft ein Wochenende oder maximal zwei Wochen.

Der bekannteste Buddhist Vietnams dürfte Thich Nhat Hanh sein, der in Südfrankreich ein Zentrum gegründet hat. Er ist in Deutschland vor allem für seine Bücher, aber auch öffentlichen Vorträge bekannt. Bereits in den 1950er Jahren hatte er in Vietnam ein Kloster gegründet, musste aber während des Krieges Vietnam verlassen und lebt seitdem in Frankreich. Da sich die Klöster heute mit Regierungskritik bedeckt halten, gestattet diese wiederum den Klöstern und Pagoden Freiheiten. Thich Nhat Hanh unterhält zwei Gemeinschaften in Vietnam, die mit seinem Zentrum „Plum Village“ verbunden sind. Das eine ist zentral in der Hauptstadt Hanoi gelegen. Es sucht vor allem junge Leute, die sich sowohl dem buddhistischen Weg als auch der gemeinnützigen Tätigkeit verschrieben haben. Das zweite Zentrum liegt nahe Nha Trang in Zentralvietnam. Allerdings leben hier die Gläubigen nicht zusammen, sondern treffen sich lediglich im Zwei-Wochen-Rhythmus. Im Hochland von Da Lat ist eine klösterliche Farm geplant, auf der Besucher willkommen sind.

Damit sind die buddhistischen Klöster allerdings noch nicht ausgeschöpft. Theoretisch können interessierte Laien in jedem Kloster für einige Zeit verweilen. Die vietnamesischen Gesetze greifen aber auch hier. In der Regel werden Touristenvisa nur für einen Monat erteilt und es bedarf einer Erlaubnis der lokalen Straßenpolizei für die Unterkunft in privater Umgebung (zu der eben auch Tempel, Pagoden und Klöster zählen). Daneben besteht das Sprachproblem, denn viele Mönche und Nonnen sprechen überhaupt kein Englisch. Im Norden Vietnams findet sich das Kloster Truc Lam Tay Thien, knapp 80 Kilometer nördlich von Hanoi. Es folgt dem Zen-Buddhismus und lädt Ausländer zum Übernachten und Meditieren ein. In der Nähe von Hue, im Bach Ma-Nationalpark, können Laien in der prachtvollen Natur auf ihre Kosten kommen. Das Kloster Thien Vien Truc Lam Bach Ma bietet neben der herrlichen Lage intensive Kurse im Buddhismus. Auch dieses Kloster folgt dem Zen. Im Süden Vietnams, traditionell sehr katholisch, finden sich bislang keine größeren Anlagen, in denen Ausländer längere Zeit meditieren können. Wer Interesse hat, sollte einfach versuchen, im Tempel der Wahl „einzuchecken“, d.h. den Abt zu bitten, den Aufenthalt zu sponsern. Der Tempel muss nämlich für den Gast bei der lokalen Polizeistation bürgen und Gebühren entrichten. Während Aufenthalte bei den oben genannten Institutionen oft mit einer Spende und Gebühren verbunden sind, finanzieren sich die normalen Pagoden und Tempel lediglich durch Spenden. Der Verfasser dieses Textes hatte einmal ein herrliches Mittagessen auf dem Ba The-Berg in An Giang mit einem dort lebenden Mönch. Allerdings gab es keine Übernachtung, aber vermutlich hätte dem nichts im Weg gestanden.

Es ist also nicht unmöglich, in Vietnam auf dem mittleren Weg des Buddhismus zu wandeln. Allerdings dürfte ersichtlich sein, dass Vietnam diesbezüglich noch am Anfang steht. Buddhistische Meditation als Urlaubsziel ist bislang noch unbekannt und wird erst in naher Zukunft ihren ersten Höhepunkt erreichen. Dies mag aber vielleicht gerade den Reiz ausmachen, denn neben der esoterischen Erfahrung gibt es ganz viel vietnamesischen Alltag und Natur pur zu erleben.

Bilderquelle: pixabay.com

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