Erfurt (NMH) – Häufig sind es fürsorgliche Eltern, die der Meinung sind, dass ihre gehörlosen oder hörgehandicapten Kinder Dinge nicht tun können, weil sie schlecht oder nicht hören können. Doch genau das Gegenteil ist nur allzu häufig der Fall. Durch eine Überfürsorge, weil ein wichtiger Teil der Sinne fehlt, haben Eltern leider einen großen Nachteil in ihren Kindern entfacht. Sie verhindern eine lebenswichtige Entwicklung, Dinge eigenständig zu tun und an sich zu glauben. Denn viele Eltern glauben, dass gehörlose Kinder das und jenes nicht tun können, obwohl sie es könnten, wenn man an sie glauben und lassen würde.

Vielen gehörlosen Kindern wird die Lebenserfahrung genommen

Keine Frage, die Eltern meinen es nur gut. Sie wollen Enttäuschungen, Frustration und Missverständnisse aus dem Weg gehen, die durch kommunikatives Verhalten der gehörlosen Kinder möglicherweise auftreten können. Doch durch das „nicht erleben“ von Gesprächen mit anderen, Arzttermine und mehr, werden Kinder mit einem Handicap zu Erwachsenen, die viel Lebenserfahrung einbüßen mussten, weil ihre Eltern es nur gut meinten. Doch gleichzeitig waren sie einfach und sind es oftmals noch immer der Meinung, dass ihre Kinder das nicht tun können oder auch ihre erwachsenen Kinder, weil sie taub sind. Das stimmt aber nicht, denn sie können sehr wohl, wenn man sie lässt und sie müssen. Bitte liebe Eltern bedenken Sie immer, irgendwann sind sie nicht mehr da und was passiert dann? Also glauben Sie an ihre Kinder und helfen ihnen dabei, sie zu verselbstständigen.

Lassen sie den Kindern ihre Erfahrung

Ein gutes Beispiel ist der Gang zum Arzt. Es ist nur allzu verständlich, dass bei gehörlosen Kindern anfänglich die Mutter oder der Vater dabei ist, um die Kommunikation zu vereinfachen. Doch es ist nicht sinnvoll, dies auch noch mit 30 oder 20 Jahren zu tun. Ein Kind wird erwachsen und das einzige Handicap ist, dass es nicht hören kann. Das bedeutet nicht, dass es nicht damit leben lernen kann oder das es ständig Hilfe benötigt. Dem ist nicht so und je mehr Freiraum man dem Kind zugesteht, je man es alleine seine Erfahrungen sammeln lässt, desto selbstständiger und einfacher klappt der Alltag. So kommen weniger Missverständnisse zusammen und die später erwachsenen Kinder sind weniger auf Hilfe angewiesen, als durch die Überfürsorge mancher Eltern.

Es mag für Eltern schwer sein, ihren Kindern diese Freiheit einzugestehen, weil ein Sinnesorgan = der Hörsinn fehlt. Das bedeutet aber nicht, dass es im Alltag ständig Hilfe benötigt. Zu Anfang ja, aber verlieren sie bitte nicht den Glauben an die Kids, um ihnen ein einfaches und normales Leben ohne viel Hilfe ermöglichen zu können.

Quelle: deafbee.wordpress.com
Bilderquelle: pixabay.com

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