Hagenbuchen (NMH) – Peter Hiltl, Carl-Heinz Sänger und Bianca Metz Doppelmeister – Die Austragung der 21. deutschen Radsportmeisterschaften der Gehörlosen (DGM) fand letztes Wochenende statt. Austragungsort war am Bodensee. Es fanden sich über zwei Dutzend Teilnehmer/innen aus ganz Deutschland ein um in zwei Rennen um Medaillen und Meistertrikots zu kämpfen. Die Wettervorhersage war mit sehr viel Regen und keinen optimalen Temperaturen auch nicht sonderlich gut. Dennoch ließen sich die Athleten davon nicht abbringen. Ganz im Gegenteil haben sich die etwa 30 Teilnehmer/innen der dt. Gehörlosen-Meisterschaften im Radsport schon auf ein Wochenende unter widrigen Bedingungen vorbereitet. Dies war allerdings gar nicht notwendig, denn bereits zum Start des Rennens am Samstag, 16.09.2017 in Hagenbuchen bei Tettnang konnte man nachmittags um 14 Uhr sehr viel Sonnenschein erkennen. Dies war zur Erleichterung aller Sportler und Veranstalter jedem Athleten ins Gesicht geschrieben. Organisiert wurden die Wettkämpfe von den beiden Vereinen GSC Bodensee e. V. und RSV Seerose Friedrichshafen e. V. in einer gemeinsamen Kooperation.

Es gab auch Favoriten auf die Titel. So waren in den einzelnen Klassen der Herren, Senioren und Frauen jeweils die amtierenden deutschen Meister – Peter Hiltl (GSV München), Carl-Heinz Sänger (GSV Berlin) und Bianca Metz (GSC Bodensee) die Favoriten. Als Erstes starteten die drei gemeldeten Hobbyfahrer in Abständen von einer Minute von der Rampe und gingen auf den 21,7 km langen Kurs, welcher insgesamt fünf Wenden beinhaltete.

In der Hobbyklasse wurde der Favorit seiner Rolle gerecht

In der Hobbyklasse konnte vor allem der Lokalmatador Frieder Leupolz vom GSC Bodensee überzeugen. Er holte sich den Sieg nach 47:24 Minuten mit einigem Abstand kamen auch Patrick Sommer (DGSV 1920 e. V.) und Christel Moser (GSV Düsseldorf) ins Ziel. Dann lieferten sich die Senioren eine heiße Schlacht. Auch die älteren Herren lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel. Diesem Kampf konnte Carl-Heinz Sänger vom GSV Berlin mit einer Zeit von 33 Minuten für sich entscheiden. Er konnte sich als deutscher Seniorenmeister vor Gerrit Besselink (GSV Münster) und Dominik Monzel (GSVg Saarbrücken) küren lassen.

Spannend wurde es allerdings, als die beiden ambitionierten Nationalkaderfahrerinnen Isabelle-Sophie Boberg (GSV Landshut) und Bianca Metz (GSC Bodensee) aufeinander trafen. Es gab einen harten Zweikampf zwischen den beiden Athletinnen. Nach gut 30 Minuten musste sich Isabelle-Sophie Boberg am Ende aber geschlagen geben und musste ihrer Konkurrentin den Vortritt lassen. Somit schaffte sie bereits zum vierten Mal in Folge den Titel, den sie wiederum verteidigen konnte.

Aber auch bei den Herren gab es sehr spannende Rennen.

Der Kader war hochkarätig besetzt. Unter anderem war der Kader mit dem Münchner Peter Hiltl besetzt. Der Athlet konnte in den letzten Jahren bereits mehrere Meistertitel gewinnen. Es gab für ihn einen Vorsprung von etwa zwei Minuten. Damit kletterte der Nationalkaderfahrer wieder aufs oberste Treppchen bei den Herren. Aber auch sein Teamkollege Steffen Kern (GSV Chemnitz) konnte große Erfolge erzielen. Er holte Silber und war damit etwas besser als der Newcomer Max Jehle vom GSC Bodensee. Er fuhr überraschend auf den dritten Platz. Leider ließ das Wetter in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu wünschen übrig. Denn zwischen den beiden Wettkämpfen der DGM regnete es stark. Auch hier waren die Athleten aber wieder von Glück umzingelt, denn wie durch ein Wunder verzogen sich vor dem Start des Straßenrennens die Wolken. Somit konnten alle Teilnehmer, die Senioren, Damen und Athleten aus der Hobbyklasse um 10:30 Uhr, wie am Tag zuvor, an den Start gehen. Alle dunklen Wolken waren wieder verschwunden.

Allerdings wurde vor dem Startschuss mit dem „Rammetshofer Achter“ noch eine Runde gedreht. Dabei handelt es sich um ein Tandem mit acht Personen, mit dem alle Teilnehmer/innen zusammen eine neutralisierte Runde auf der Rennstrecke drehten. In der Spitzkehre kam es zu einem kleinen Sturz, den jedoch alle Teilnehmer gut überstanden.

Moderation von professioneller Qualität

Moderiert wurde der Wettkampf vom Radexperten Bastian König. Damit konnte ein solider Partner gefunden werden. Es handelte sich um eine Zeitmessfirma aus Tschechien. Das Unternehmen war vor Ort und konnte die erstmalig stattfindende Veranstaltung „Rad & Roll“ 2017 moderieren. Die zwei Hobby-, sechs Seniorenfahrer und zwei Damen gingen gemeinsam auf den 1,7 km langen Rundkurs, der 25-mal befahren werden musste (= 42,5 km).

Nach der zweiten Runde attackierte Frieder Leupolz vom GSC Bodensee und führte das Feld eine Runde lang an. Danach stieg aber der Druck durch Gerrit Besselink (GSV Münster) und Favorit Carl-Heinz Sänger (Berliner GSV) an. Sie attackierten weiter sehr stark. Es gab nur mehr zwei direkte Verfolgerinnen. Bianca Metz (GSC Bodensee) und Isabelle-Sophie Boberg (GSV Landshut) konnten ihnen folgen. Es waren dann diese vier Fahrer. Sie fuhren zehn Runden lang zusammen und wechselten sich mit der Führungsarbeit ab. Leider passierte dann in der Spitzkehre ein Missgeschick. Es war der Reifen von Isabelle-Sophie Boberg, welcher platzte. Sie musste das Rennen beenden. Ihre Konkurrentin, Bianca Metz (GSC Bodensee), hielt sich weiter bei den beiden Seniorenfahrern. Auf der drittletzten Runde schließlich ließ Carl-Heinz Sänger seine beiden Mitfahrer nach einem kraftvollen Antritt hinter sich. Dadurch schaffte sie auch zum zweiten Male ein Meistertrikot. Mit einer Zeit von 1:12 Std. Wurde sie Vizemeister. Die ins Ziel einfahrende Bianca Metz ergatterte das Meistertrikot der Damen.

Auf dem dritten Platz der Senioren landete Dominik Monzel (GSVg Saarbrücken), in der Hobbyklasse machte Frieder Leupolz (GSC Bodensee) vor Patrick Sommer (DGSV 1920 e. V.) das Rennen. Etwas später gegen Mittag begann das Rennen der Herren. Hier musste sich der Favorit des Rennens, Peter Hiltl (GSV München), beweisen. Er wurde von seinen Konkurrenten gejagt. So gingen auch die Herren auf die Jagd. Auf einer Distanz von 59,5 km war es ein spannendes Rennen, welches auf 35 Runden verteilt war. Es kam während des Rennens immer wieder zu harten Attacken. So lichtete sich auch das Feld der Teilnehmer sehr stark. Am Ende des Rennens konnte sich Peter Hiltl absetzen und das komplette Feld zweimal überrunden. Damit holte er sich den Sieg mit einer Zeit von 1:38 Std. vor Martin Koppe (GSV Bielefeld) und Axel Knuth (Berliner GSV). Er gewann mit einem kleinen Vorsprung von nur 52 Millisekunden gegenüber seinem Mitstreiter.

Eine Menge Emotionen bei den Siegerehrungen

Die Siegerehrungen fanden in der Ludwig-Roos-Halle in einem sehr feierlichen Rahmen statt. Eine hochkarätige Jury war anwesend. Unter anderem war Landrat Lothar Wölfle und ein Vertreter der Schirmherrin von „Rad & Roll“ 2017 anwesend. Auch der Behindertenbeauftragte im Bundestag, Verena Bentele, war anwesend. Geplant ist, dass die Veranstaltung im kommenden Jahr erneut stattfinden wird. Bereits jetzt sind Neuerungen geplant. Unter anderem möchte man die Möglichkeit eines integrierten Gehörlosen-Radrennens schaffen. Dafür sucht man bereits interessierte Teilnehmer/innen.

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