Bremen (NMH) – Ein Verband wird 90 Jahre, laut Kommentaren aus Facebook blüht der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. – unter der Leitung des Präsidenten Helmut Vogel, erst so richtig auf! Pressemitteilung des Deutscher Gehörlosen-Bundes zum 90-jähriges Jubiläum und der Feier n Bremen.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. feierte am 21.10.2017 in Bremen sein 90-jähriges Jubiläum.

An der Feier, welche im Borgfelder Landhaus in Bremen stattfand, nahmen insgesamt 180 Gäste teil und feierten gemeinsam mit uns das 90-jährige Bestehen des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. Es war ein sehr schöner Abend und alles ist so abgelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Die Moderatorin des Abends war Conny Khadivi, die alle Gäste zunächst begrüßte und das Programm eröffnete. Sie betonte die Besonderheit unserer Feier und machte auch darauf aufmerksam, wie sich die Lebensbedingungen der Gehörlosen im Laufe der letzen 90 Jahre verbessert haben und was der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. dazu alles beigetragen hat.

Nach einer kurzen Vorstellung der etwa 80 eingeladenen Gäste, begrüßte zunächst unser Präsident, Helmut Vogel, alle Gäste und brachte seine Freude über den vollen Saal zum Aus-druck. Ebenso herzlich begrüßte er den Schweizer Gehörlosenbund und den einzigen anwesenden Politiker an diesem Abend, Hubert Hüppe von der CDU, der von 2009 bis 2013 Bundesbehindertenbeauftragter war uns sich durch sein Engagement als besonderer Freund der Gehörlosengemeinschaft hervorgetan hat.

80 eingeladene Gäste wurden besonders begrüßt vom DGB-Präsidenten

Die Moderatorin des Abends war Conny Khadivi, die alle Gäste zunächst begrüßte und das Programm eröffnete. Sie betonte die Besonderheit unserer Feier und machte auch darauf aufmerksam, wie sich die Lebensbedingungen der Gehörlosen im Laufe der letzen 90 Jahre verbessert haben und was der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. dazu alles beigetragen hat.

Nach einer kurzen Vorstellung der etwa 80 eingeladenen Gäste, begrüßte zunächst unser Präsident, Helmut Vogel, alle Gäste und brachte seine Freude über den vollen Saal zum Aus-druck. Ebenso herzlich begrüßte er den Schweizer Gehörlosenbund und den einzigen anwesenden Politiker an diesem Abend, Hubert Hüppe von der CDU, der von 2009 bis 2013 Bundesbehindertenbeauftragter war uns sich durch sein Engagement als besonderer Freund der Gehörlosengemeinschaft hervorgetan hat.

Historiker Vogel in seinem Element, bei geschichtlicher Präsentation des DGB!

Helmut Vogel beschrieb anschließend, was 90 Jahre Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. bedeuten und bezog sich dabei auf die drei Stichworte: Zusammenhalt, Engagement und Verantwortung. Diese Worte sind besonders wichtig für unsere Geschichte. Er bedankte sich für die nun 90 Jahre währende, ehrenamtliche Zusammenarbeit insbesondere von gehörlosen Men-schen für die Interessen der Gehörlosengemeinschaft. Das zeige der heutige elfminütige Film zur Geschichte des Deutschen Gehörlosen-Bundes, der vom Geschichtsbüro Helmut Vogel erstellt wurde. Allerdings enthält dieser weniger Bilder über die Gehörlosen in der früheren DDR. Er wünsche sich, dass zum 100-jährigen Jubiläum des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V., die Geschichte des geteilten Deutschlands komplett vereint wird, damit diese weitergetragen werden kann. Abschließend wies er auf drei Ehrungen mit der Karl-Wacker-Plakette, einer ganz wichtigen Auszeichnung des DGB für die überregionale Gehörlosenarbeit, hin und wünschte allen, dass sie den Abend genießen.


Ehrenpräsident Prof. Dr. Ulrich Hase inkludierte eine starke Gehörlosenbewegung

Der zweite Redner, der sich mit einem Grußwort an die Gäste richtete, war unser Ehrenpräsident und der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten- Selbsthilfe und Fachverbände e.V., Prof. Dr. Ulrich Hase. Er betonte, dass es seit 170 Jahren eine starke Gehörlosenbewegung gibt, ohne die er sich ein Leben gar nicht mehr vorstellen kann.

Gehörlosen hätten in dieser Zeit auch viele Erfahrungen mit Diskriminierung, Bevormundung durch Hörende und die Unterdrückung der Deutschen Gebärdensprache erdulden müssen. Ab den 1980-er Jahren habe dann endlich ein Paradigmenwechsel stattgefunden und es habe allmählich mehr Verständnis für die Wichtigkeit der Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache gegeben. Für die Gehörlosen sei es eine lange Zeit des Leidens gewesen und oftmals hätten sie sich geschämt, wenn sie DGS in der Öffentlichkeit verwendeten. Schließlich wurde ein neuer Weg eingeschlagen und heute gebe es für Gehörlose mehr Selbstbestimmung und das Prinzip des Empowerments. Jedoch seien gerade im privaten Bereich noch viele Probleme vorhanden, welche die Teilhabe an einer offenen Gesellschaft behinderten. Ulrich Hase ist der Meinung, dass Inklusion für die Gehörlosgemeinschaft nicht nur eine Chance ist, sondern auch eine Gefahr darstellen kann, wenn sie falsch verstanden wird. Eine weitere Errungenschaft sei das Bundesteilhabegesetz, welches den Gehörlosen in Deutschland einige Türen öffnete, beispielsweise im Hinblick auf die Kostenübernahme für Dolmetscher im privaten Bereich.

Schließlich brachte er seine Freude darüber zum Ausdruck, dass der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. ein starker Partner der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten- Selbsthilfe und Fachverbände e.V. sei. Die zahlreichen offenen Baustellen, könnten in Zukunft gemeinsam bearbeitet werden und dafür müsse noch viel getan werden.

Tatjana Binggeli vom schweizerischen Gehörlosen-Bund überreichte dem DGB-Präsidenten einen Scheck

Die dritte Rednerin des Abends war die Präsidentin des Schweizerischen Gehörlosen-Bundes (SGB-FSS), Tatjana Binggeli. Sie betonte die ereignisreiche Geschichte der vergangenen 90 Jahre und die besondere Zusammenarbeit und gute Partnerschaft des Schweizerischen und des Deutschen Gehörlosen-Bundes. Als besonderes Geschenk überreichte sie unserem Präsidenten einen Scheck im Wert von 700 Euro.

Helene Jarmer vom (ÖGLB) erhielt wegen Abwesenheit eine Videobotschaft direkt von der Feier

Die vierte Rednerin war die Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes (ÖGLB), Helene Jarmer. Sie konnte leider an diesem Abend nicht persönlich erscheinen, da wir jedoch in modernen Zeiten leben, wurde sie per Videobotschaft im Saal begrüßt.

Die Gehörlosengemeinschaft sei wie eine Fußballmannschaft und müsse zusammenhalten, um etwas zu erreichen. Gemeinsam müsse man gegen den Hass, wie er beispielsweise bei Facebook verbreitet wird, kämpfen und die Gleichberechtigung aller Menschen durchsetzen.


Der letzte Redner, der sich mit einem Grußwort an alle richtete, war Karlheinz Kunze vom – Fördervereins der neuen Bundesländer e.V.

Er bedankte sich insbesondere bei Helmut Vogel für die gute Zusammenarbeit und den guten Austausch der letzten Jahre. Als Dank überreichte er unserem Präsidenten ein dickes Buch über die Geschichte der Gehörlosen in der DDR.

Nach den Grußworten wurde, durch den Film vom Geschichtsbüro Helmut Vogel über die Geschichte des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V., eine kurze Zeitreise unternommen. An-schließend veranstaltete Conny ein kleines Quiz mit uns. Wir wurden beispielsweise gefragt, wie viele Präsidenten der DGB in seinem 90-jährigen Bestehen schon hatte. Mit Helmut Vogel waren es 16, worunter bisher nur eine Frau war. Die richtige Antwort auf die Frage, wie viele Mitglieder der DGB hat, lautet 28.000.

Bei unserer Feier wurden drei Personen mit der Karl-Wacker-Ehrenplakette ausgezeichnet. Conny erklärte im Vorfeld, warum die Ehrenauszeichnung nach Karl Wacker benannt wurde. Dieser war der erste Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes nach der Nazizeit, und insgesamt der fünfte der gesamten Geschichte des DGB, und hob sich durch sein besonderes Engagement für die Gehörlosen in Deutschland hervor. Die Plakette wurde das erste Mal 1983 verliehen und seitdem wurden 29 Personen mit ihr ausgezeichnet. Die Ehrenplakette wird an Menschen verliehen, die sich aktiv für die überregionale Gehörlosenarbeit einsetzen.

Die erste Person, die an diesem Abend ausgezeichnet wurde, war der 75-jährige Herr Prof. Dr. Siegmund Prillwitz, der 1987 das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommuni-kation Gehörloser an der Universität Hamburg begründete und bis 2005 leitete.

Er hat sich für die Anerkennung der Gebärdensprache als Minderheitensprache und gegen den Oralismus eingesetzt und gekämpft.

Die Laudatio über Herrn Prof. Dr. Siegmund Prillwitz hielt unser Ehrenpräsident Prof. Dr. Ul-rich Hase. Leider konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich erscheinen und die Ehrenplakette entgegennehmen und hat sich aus diesem Grund im Vorfeld mit einem Brief an Helmut Vogel gerichtet. Er bedankte sich für die besondere Ehrung und betonte hierbei auch die Leistungen der Gehörlosen selbst, die sich in den vergangenen 30 Jahren erfolgreich für die Anerkennung ihrer Sprache eingesetzt haben. Außerdem hat Ulrich Hase nicht vergessen zu erwähnen, dass Siegmund Prillwitz ihn gebeten hat, sich für das Amt des Präsidenten des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. zu bewerben, um sich stärker auf politi-scher Ebene für die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache einzusetzen. Ulrich Hase und Helmut Vogel werden die Karl-Wacker-Plakette nachträglich an Siegmund Prillwitz über-reichen.

Erhard Müller aus Thüringen vom Landesverband der Gehörlosen Thüringen e.V. erhielt die Karl-Wacker-Ehrenplakette

Die zweite Person, die mit der Karl-Wacker-Ehrenplakette ausgezeichnet wurde, war Erhard Müller, welcher über Jahrzehnte hinweg hauptamtlich als Sozialberater in der Beratungsstelle für Hörgeschädigte und Gehörlose in Erfurt gearbeitet hat. Bereits zu Zeiten der DDR war er im damaligen Gehörlosen- und Schwerhörigenverband als Sekretär in der Bezirksorganisation Erfurt tätig. Außerdem war er ehrenamtlich als Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Thüringen e.V. (1994-2010) und als Präsidiumsmitglied des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. (1999-2009) tätig. Mittlerweile ist er Ehrenvorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Thüringen e.V. und Vorstandsmitglied des Fördervereins der Gehörlosen der neuen Bundesländer e.V. Die Laudatio hielt Martin Domke, Ehrenvorsitzender des Landes-verbandes der Gehörlosen in Sachsen. Helmut Vogel übergab die Ehrenplakette feierlich an Erhard Müller, der sich vielmals für die Ehrung bedankte.

Hans-Wolfram Kleefeld erhielt ebenfalls die Karl-Wacker-Ehrenplakette

Schließlich erhielt als dritte Person Hans-Wolfram Kleefeld die Karl-Wacker-Ehrenplakette, welcher im Jahre 1963 mit seiner Vereinsarbeit begonnen hat und anschließend als Schriftführer, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Gehörlosenvereins Nürnberg e.V. tätig war. Besonders hervorzuheben ist seine Gründung eines Kraftfahrervereins der Gehörlosen in Nürnberg, in dessen Rahmen er viele Kurse über Verkehrssicherheit angeboten hat. Über Jahrzehnte hinweg war er als Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gehörlosen Mittelfran-ken e.V. ehrenamtlich tätig. Außerdem war er der erste gehörlose Erzieher in Deutschland und hat von 1972 bis 2004 hauptamtlich am Berufsbildungswerk für Hör – und Sprachgeschädigte Nürnberg gearbeitet. Des Weiteren führte er zahlreiche LBG-Kurse für Hörende durch. Die Laudatio hielt Rudolf Gast, Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Bayern der Gehörlo-sen e.V.
Helmut Vogel übergab die Ehrenplakette nochmals feierlich an Herrn Kleefeld, der sich über die Auszeichnung freute und sich bedankte.

The Show must go on

Drei besondere Auftritte hatte über den Abend verteilt der Gebärdensprachkünstler Giuseppe Giuranna, der uns mit seinen ausdrucksstarken poetischen Bildern beeindruckte, die für Ge-hörlose mit Musik verglichen werden können.

Im Anschluss bedankten sich fast alle Delegierten der 26 Mitgliedsverbände des Deutschen Gehörlosen-Bundes und einige Ehrengäste für unsere Arbeit und unser Engagement beim Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. der letzten 90 Jahre. Der Politiker Hubert Hüppe etwa erin-nerte uns daran, dass der Bund sich ehemals auch als Notgemeinschaft vereinigte, um für die Rechte der Gehörlosen in Deutschland zu kämpfen. Er hob besonders unsere Anliegen hervor, die gesellschaftliche Teilhabe sowie die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache durchzusetzen und lobte unsere Erfolge der letzten Jahrzehnte. Der Deutsche Gehörlosen-Bund engagiere sich auch besonders auf politischer Ebene, damit irgendwann jedem Menschen bewusst werde, dass die Gebärdensprache ein Menschenrecht ist. Hubert Hüppe möchte uns auch in den kommenden Jahren bei der Durchsetzung unserer Ziele unterstützen, weil er glaubt, dass wir noch lange nicht am Ende des Weges angelangt sind und wir uns gemeinsam weiter für die Interessen der Gehörlosen in Deutschland und für deren Teil-habe einsetzen müssen. Er hofft, dass der gute Kontakt zum Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. bestehen bleibt und ist zuversichtlich, dass wir gemeinsam in den kommenden 10 Jahren viel erreichen werden.

Dankesrede von Renate Reymann sprach insbesondere die Taubblinden an

Renate Reymann, Vorsitzende des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e.V., hielt ebenfalls eine interessante Dankesrede über die Erfahrungen der sehbehinderten Menschen in Deutschland, welche mit denen der Gehörlosen zu vergleichen sind. Sie plädierte für Chancengleichheit und brachte zum Ausdruck, dass damit sowohl die blinden, als auch die gehörlosen Menschen in Deutschland für die gleichen Rechte einstehen. Insbesondere die Taubblinden in Deutschland seien aufgrund der schwere ihrer Behinderung oftmals aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Man habe jedoch mit dem Merkzeichen TBL im Schwerbehin-dertenausweis schon viel erreicht. Sie wolle die gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. gerne in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.

Vier DGB-Präsidenten auf einem Schlag!

Der Höhepunkt unserer Jubiläumsfeier war, als die letzten 4 noch lebenden Präsidenten des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. (Ulrich Hase, Gerlinde Gerkens, Alexander von Meyenn und Rudolf Sailer) und der aktuelle Präsident Helmut Vogel, gemeinsam auf der Bühne standen. Mit ihnen und allen Gästen hat das Präsidium mit einem Glas Sekt auf die Arbeit der letzten 90 Jahre und die weitere Zukunft des DGB angestoßen.

Wir möchten uns recht herzlich bei Sabine Schöning, Petra Sperling und Edgar Zehner vom Landesverband der Gehörlosen Bremen e.V. für ihre Mithilfe bei der Organisation bedanken. Als Dank überreichten wir dem Landesverband der Gehörlosen Bremen e.V. eine Pflanze, die im Gehörlosenzentrum in Bremen erblühen und alle daran erfreuen soll. Außerdem danken wir Patrick George und Rita Segelke für ihre Dolmetscherdienste und Conny Khadivi für die schöne Moderation des Abends. Beim Borgfelder Landhaus bedanken wir uns für die hervor-ragende Bewirtung und das gute Essen. Bei Danny Igerski und Tim Krenke bedanken wir uns für das Live-Streaming und die Technik im Allgemeinen. Oliver Bardt danken wir für das Fo-tografieren unserer Feier. Ein großes Dankeschön richten wir auch an Marco Strauß, der ebenfalls fotografierte und den Abend filmte. Schließlich möchten wir uns bei unseren zahlreich erschienenen Gästen bedanken. Wir hoffen, dass Ihnen der Abend gefallen hat und Ihnen für immer in guter Erinnerung bleibt.

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