Budapest (NMH) – In der Zeit zwischen 8.-10. November 2017 fand in Budapest eine zweitägige EUD-Vorstandssitzung statt an der alle hochrangigen Mitarbeiter des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. teilnahmen. Es gab Seminare und Workshops wobei an einzelnen Seminaren insgesamt etwa 100 Personen aus 46 Ländern teilnahmen. Ziel der Veranstaltung war sicherzugehen, dass gehörlose Kinder nicht vernachlässigt werden, wenn sich die Regierungen der Länder inklusiven Bildungsformen nicht in der Lage sehen, benachteiligte Menschen zu fördern.

Die EUD-Vorstandssitzung wurde in 3 verschiedenen Gebärdensprachen übersetzt

Alle Vorträge wurden in International Sign (IS), ungarische Gebärdensprache (HSL) sowie in englische und ungarische Lautsprache übersetzt. Ziel der Konferenz war es, die Möglichkeit zu geben, sich voll und ganz zu beteiligen, sich auszutauschen und zu diskutieren. Im Rahmen der Konferenz wurde auch die sehr inspirierende und weltweite Kampagne „Gebärdensprache fördert das Lesen und Schreiben“ beworben. Sie ist mit Gewinnpreisen von jeweils 25.000 Euro bis zu etwa 250.000 Euro ausgeschrieben und läuft noch bis Januar 2018.

Die Gebärdensprache ist Welt weit leider nicht in Ausbildungen standardisiert

Im Rahmen von Vorträgen wurde auch darauf verwiesen, dass schätzungsweise 32 Millionen gehörlose Kinder auf der ganzen Welt nur 2 Prozent eine Ausbildung in Gebärdensprache erhalten. Die Vorträge wurden aber auch durch die Darbietung von Bildern untermalt. So sah man unter anderem Videofilme von Kindern, welche die Gebärdensprachen der verschiedenen Länder der Welt zeigten. Es wurden Erfahrungen aus den einzelnen Ländern wiedergegeben. Jeder Repräsentant eines Landes schilderte die Fakten und Probleme des jeweiligen Landes. So ist zum Beispiel die Situation von Neuseeland dargelegt worden.

Neuseeland: Seit 2006 wurde Gebärdensprache (NZSL) offiziell zur Amtssprache erklärt

Im Jahr 2006 wurde die neuseeländische Gebärdensprache (NZSL) offiziell zur Amtssprache erklärt. In Neuseeland leben etwa 4,8 Millionen Menschen, von denen 2.500-4.000 Menschen gehörlos sind. Das Bespiel Neuseeland zeigt auch schön auf, dass Fortschritte bezüglich der Gebärdensprachrechte gemacht werden können. Ebenso wurde über finanzielle Zuschüsse von Staaten und privater Organisationen diskutiert. Zwei Schlüsselinitiativen sind hier besonders hervorzuheben. Sie wurden auch im Bericht der Menschenrechtskommission erwähnt. Dies waren die Einrichtung eines von Gehörlosen geführten Dienstes, der NZSL Erwerbsunterstützung für Familien gehörloser Kinder im Vorschulalter bietet und in weiterer Folge die Gründung des NZSL-Vorstandes, um bei der Förderung und Aufrechterhaltung von NZSL zu beraten.

Hier ging es auch um die Zuweisung des NZSL-Fonds von 1,25 Millionen Euro pro Jahr. Das Gastgeberland Ungarn erwies sich wieder einmal als Vorreiter. Denn der überraschende Besuch des ungarischen Premierministers Viktor Orbán, der eine umwerfende Rede für die Gehörlosengemeinschaft hielt, zeigte, dass ihm die Verständigung von Sprachgemeinschaften besonders wichtig war. Er verwies auf die große Bedeutung der ungarische Gemeinschaft und die gebärdensprachlichen Gemeinschaften und für die Rechte auf ihre eigenen Sprachen.

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