Erfurt (NMH) – Viele gehörlose und schwerhörige Kinder, vor allem junge gehörlose und schwerhörige Mädchen, lieben Pferde und wollen schon in frühen Jahren das Reiten lernen, sind aber oft noch zu jung und klein dafür. Dies muss aber nicht unbedingt heißen, dass es keine Alternative zum Reitsport gibt.

Haben Sie schon mal an Voltigieren gedacht?

Diesen Sport bedenken viele Menschen, auf der Suche nach einer Reitmöglichkeit für ihr Kind, nicht. Anders als im Reiten, wird das Pferd aber nicht selbst gelenkt, sondern dies geschieht durch den sogenannten „Longenführer“ in der Mitte des Zirkels, auf dem sich das Pferd bewegt. Der Schwerpunkt des Voltigierens liegt somit nicht im Pferd-bewegen, sondern im Turnen auf dem sich bewegenden Tier. Klingt zu Beginn vielleicht sehr kompliziert, dem ist aber nicht so.

Gerade kleine Kinder, die noch neu im Sport sind, werden langsam und spielerisch an das Voltigieren herangeführt. So beginnt eine mögliche, erste Voltigierstunde mit einfachen Übungen, wie dem Hand-rausstrecken oder dem Hinknien. Denn Voltigieren findet nicht, wie das Reiten, auf einem Sattel statt, sondern auf dem sogenannten „Pad“. Einer Art Decke, die in Kombination mit zwei Griffen den Untergrund zum Voltigieren liefert. So können sich Kinder an den Griffen auf dem Pad festhalten, wenn sie zu Beginn noch Angst haben. Je besser die Kinder werden, desto weniger werden sich diese an den Griffen festhalten müssen.

Voltigieren dient aber nicht nur der Verbreitung auf das Reiten, und der Heranführung ans Pferd, sondern ist ein eigener Sport, der auch auf Turnierbasis praktiziert werden kann.


Voltigieren wird als eigener Leistungssport definiert

Es gibt verschiedene Leistungsklassen, jeder Wettkampf wird von Gruppen oder Einzelvoltigieren durchgeführt und ist in Pflicht und Kür unterteilt. Während in einem Wettkampf jeder Voltigierer die gleiche Pflicht turnen muss, so ist die Kür von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. In den niedrigeren Leistungsklassen wird Pflicht und Kür im Schritt geturnt und bei der Kür befinden sich immer zwei Personen auf dem Pferd. In den höheren Leistungsklassen hingegen wird in der schnellsten Pferdegangart, dem Gallop, geturnt. Außerdem befinden sich in der Kür zwei bis drei Personen auf dem Pferd und turnen eine selbst geplante Choreographie, während das Pferd unter den Voltigieren kontinuierlich galoppiert.

Voltigieren ist ein Sport, der nicht nur an das Pferd und Reiten heranführt, sondern ein eigener Leistungssport, der das Gruppen-und Körpergefühl jedes Einzelnen steigert. Man lernt sich um das Pferd zu kümmern, es zu pflegen und alles was dazu gehört. Aber der Sport bringt noch mehr, nämlich Spaß, ein Gefühl für Tiere und Mut. Denn es erfordert definitiv einiges an Mut, auf einem rennenden Pferd zu turnen, ob allein oder zu dritt.

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